Soziale Wohngemeinschaft in Gradačac, Bosnien und Herzegowina

Ingenieure Ohne Grenzen Schweiz (IngOG+) engagiert sich zusammen mit Hazima Smajlovic, einer geflüchteten Bosnierin, lokalen Partnerorganisationen und den lokalen Behörden für den Aufbau und Betrieb einer Wohngemeinschaft für alleinstehende, weibliche Kriegsopfer in Bosnien. Mit dem Projekt wird ein Beitrag zum bisher fehlenden Angebot an Sozial- und Alterswohnungen geleistet und den bedürftigen Frauen eine würdige Perspektive geboten.

 

Hintergrund

In Bosnien-Herzegowina sind die Folgen des Bosnienkrieges rund 20 Jahre nach seinem Ende noch deutlich spürbar. Die damals kriegsführenden Volksgruppen leben weitgehend getrennt, beachtliche Teile des Landes sind noch vermint und die Wirtschaft hat sich nie vollständig erholt.

Der Krieg und die damit verbundene organisierte sexuelle Gewalt gegen Frauen hinterliess zahlreiche traumatisierte Frauen, die heute oft ohne familiären Rückhalt auf sich alleine gestellt leben. Viele dieser Frauen leben isoliert in tiefster Armut und leiden unter gesundheitlichen Folgen der erlittenen Traumata, die sie daran hindern sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

In der patriarchisch geprägten Gesellschaft Bosniens sind diese Frauen leider praktisch unsichtbar. Auch von Seite der Behörden wird die Problematik nicht aktiv angegangen und nur wenig zur Verbesserung der Situation unternommen und die bescheidene Rente des Staates reicht bei Weitem nicht aus, die Lebenskosten zu decken.

Projektziel und Eckdaten

Das Ziel des Projektes ist die Verbesserung der Lebensumstände der bedürftigen Frauen von Gradačac und Umgebung: In einer begleiteten Wohngemeinschaft können die Frauen sich gegenseitig unterstützen und in Gesellschaft leben. Gleichzeitig geben der Anbau von Gemüse, Getreide und die Haltung von Nutztieren den Bewohnerinnen eine Tagesstruktur und die Möglichkeit zu einer weitgehenden Selbstversorgung. Die Frauen leben grundsätzlich autonom, wobei eine Betreuung den Betrieb der Einrichtung sicherstellt. Verschiedene Bildungsangebote und Kurse sollen die Frauen aus ihrer Isolation herausführen und schrittweise wieder in die Gesellschaft eingliedern.

  • Mit dem Projekt wird Wohnraum für 5 Frauen geschaffen. Über die Laufzeit des Projekts profitieren aber deutlich mehr Frauen vom Angebot.
  • Der Betrieb und die Betreuung wird von der zu diesem Zweck gegründeten Stiftung Naš Izvor in Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation Vive Žene und der Gemeinde Gradačac organisiert.
  • Das Projekt soll als Pilotprojekt dienen und der Gemeinde Gradačac neue Perspektiven für ihr Angebot an Sozialwohnungen aufzeigen.
  • Das Grundstück wird durch Hazima Smajlovic zur Verfügung gestellt.
  • Die Finanzierung des Gebäudes erfolgt durch IngOG+.
  • Das vielfach ausgezeichnete Architekturstudio TEN (www.ten.as) aus Zürich und Belgrad ist für die Planung des Gebäudes verantwortlich.
  • Die Bauausführung erfolgt durch eine lokale Bauunternehmung.
  • Die Bauleitung wird von TEN in Zusammenarbeit mit einem lokalen Architekten durchgeführt.
  • IngOG+ übernimmt die Projektorganisation, bietet technische Unterstützung und führt Qualitätskontrollen durch.

Projektstand

Die Partnerschaft mit dem Sozialamt der Gemeinde Gradacac konnte weiter intensiviert und konkretisiert werden. Sie werden das Projekt durch den regelmässigen Besuch von Sozialarbeitern unterstützen und werden bei der Auswahl der Bewohnerinnen mitwirken. Der Einbezug der lokalen Behörden ist ein wichtiger Schritt für einen langfristig erfolgreichen Betrieb des Projekts.

Die Bauarbeiten am Gebäude sind nun endlich abschlossen. Im März 2023 erfolgt die offizielle Abnahme durch die Baubehörden und das Gebäude wird an die Stiftung Naš Izvor übergeben. Aktuell läuft noch die Planung und Umsetzung der Inneneinrichtung (Küche und Zimmer) und wir sind daran die Möblierung und Einrichtung des Hauses aufzugleisen. Erste Pflanzungen im Garten wurden bereits vorgenommen, und das Feld neben dem Haus wurde im Winter umgepflügt. Im Frühjahr erfolgt dann die Aussaat von Weizen, Gemüse und Kräutern. Aktuell sind wir daran in Bosnien die Mittel für ein Gewächshaus zu sammeln.

 

Projektunterlagen

 

SPENDEN für das Projekt mit dem Code: BIH001