1. Einführung & Kontext
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Bosnienkrieg sind die Folgen weiterhin sichtbar. Gesellschaftliche Spannungen bestehen fort, Teile des Landes sind noch immer mit Landminen belastet, und die wirtschaftliche Erholung bleibt unvollständig. Besonders betroffen sind Frauen, die während des Konflikts sexualisierte Gewalt erfahren haben. Viele leben allein, sozial isoliert und unter prekären wirtschaftlichen Bedingungen. Traumabedingte gesundheitliche Belastungen erschweren häufig eine eigenständige Existenzsicherung. In der patriarchal geprägten Gesellschaft Bosniens bleiben diese Frauen oft wenig sichtbar, während staatliche Unterstützungsangebote begrenzt sind.
2. Projektziel
Ziel des Projekts war die Verbesserung der Lebensbedingungen traumatisierter und sozial isolierter Frauen durch die Bereitstellung eines sicheren Wohnraums und eines unterstützenden sozialen Umfelds. Das Haus bietet Platz für bis zu fünf Frauen gleichzeitig. Es ermöglicht ein selbstbestimmtes Wohnen und schafft zugleich Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Gemeinschaft. Gartenarbeit, kleine landwirtschaftliche Tätigkeiten und gemeinsam organisierte Aufgaben fördern Tagesstruktur, Eigenständigkeit und soziales Miteinander. Gleichzeitig wurde das Projekt als Pilotinitiative verstanden, um neue Ansätze im sozialen Wohnungsbau auf kommunaler Ebene anzustoßen und der Gemeinde Gradačac mögliche Perspektiven aufzuzeigen.
3. Ansatz & Technische Umsetzung
Das Gebäude wurde vom Architekturbüro TEN (Zürich/Belgrad) entworfen. IngOG+ begleitete das Projekt mit Ingenieurberatung, Qualitätssicherung und Projektmanagement während Planung und Bau. Die Architektur verbindet funktionale Anforderungen mit einer klaren gestalterischen Aussage: Das Gebäude unterstützt gemeinschaftliches Wohnen und trägt gleichzeitig dazu bei, die Sichtbarkeit der betroffenen Frauen im gesellschaftlichen Kontext zu stärken. Die bauliche Umsetzung erfolgte durch ein lokales Bauunternehmen. Die Bauleitung wurde von TEN in Zusammenarbeit mit einer lokalen Architektin bzw. einem lokalen Architekten übernommen. IngOG+ stellte sicher, dass Qualitätsstandards eingehalten wurden und die Umsetzung den sozialen Zielsetzungen des Projekts entsprach. So entstand ein langlebiges und offenes Wohnhaus, das in sein lokales Umfeld eingebunden ist.
4. Erkenntnisse & Wirkung
Das Projekt zeigte den Mehrwert einer Zusammenarbeit zwischen lokalen Partnerorganisationen und internationaler Fachkompetenz. Die Kooperation mit Organisationen wie Vive Žene trug dazu bei, die Wohnstruktur fachlich zu begleiten und langfristig zu sichern. Die Einbindung der Gemeinde und lokaler Akteurinnen und Akteure stärkte die Akzeptanz und die langfristige Verankerung des Projekts.
Zugleich erweiterte das Projekt das Netzwerk von IngOG+ in Bosnien und schuf Grundlagen für zukünftige Kooperationen. Für die Bewohnerinnen ist das Haus heute ein Ort von Sicherheit, Würde und sozialer Teilhabe. Die Finanzierung erfolgte durch gezielte Fundraising-Aktivitäten von IngOG+ sowie durch frühe Unterstützung der Initiative Baslerinnen für Bosnierinnen und ihrer Gründerin Hazima Smajlovic.










