1. Einführung & Kontext
Das abgelegene Dorf Khema liegt auf über 4’000 Metern Höhe in der Himalaya-Region Ladakh im Norden Indiens. Während der Wintermonate stellt der Zugang zu Trinkwasser für die rund 150 Dorfbewohnerinnen und -bewohner eine grosse Herausforderung dar. Wenn die umliegenden Bäche gefrieren oder austrocknen, sind die Bewohner auf eine Quelle weiter unten im Tal angewiesen. Ein früher installiertes, dieselbetriebenes Pumpsystem erwies sich als unzuverlässig, da die Treibstoffversorgung unzureichend war und die Anlagen nicht an die extremen klimatischen Bedingungen angepasst waren. Dadurch mussten die Dorfbewohner Wasser häufig mühsam über steile und gefährliche Wege transportieren. Zusätzlich erschwerten fehlende Speicherkapazitäten und ungeschützte Wasserreservoirs die ganzjährige Versorgung.
2. Projektziel
Ziel des Projekts war es, eine zuverlässige und nachhaltige Wasserversorgung für die Wintermonate im Dorf Khema sicherzustellen. Durch den Ersatz des bestehenden dieselbetriebenen Pumpsystems durch eine erneuerbare Energielösung sowie durch den Ausbau der Speicherkapazität sollte der Zugang zu sicherem Trinkwasser langfristig verbessert werden. Das Projekt richtete sich an die gesamte Dorfgemeinschaft, einschliesslich Haushalte und Viehhalter, die auf eine konstante Wasserversorgung angewiesen sind. Gleichzeitig sollte durch die Einbindung der lokalen Bevölkerung in Bau und Wartung der Infrastruktur die lokale Eigenverantwortung gestärkt und die langfristige Nachhaltigkeit der Anlage gewährleistet werden.
3. Ansatz & Technische Lösung
Im Rahmen des Projekts wurde ein solares Pump- und Speichersystem entwickelt, das speziell auf die extremen klimatischen Bedingungen in Ladakh abgestimmt ist. Photovoltaikmodule versorgen eine elektrische Pumpe mit Energie, die Wasser von der Quelle ins Dorf transportiert und damit den bisherigen Dieselgenerator ersetzt. Die Pumpanlage sowie die Leitungsinfrastruktur wurden neu dimensioniert und modernisiert, um eine höhere Förderleistung und eine bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Frost zu gewährleisten. Zur sicheren Speicherung des Wassers wurde ein Reservoir innerhalb eines passiv solar beheizten Gebäudes («Solarhaus») errichtet. Diese Bauweise nutzt Sonnenenergie zur Wärmespeicherung und verhindert, dass das Wasser während kalter Winternächte gefriert. IngOG+ unterstützte die technische Planung, das Systemdesign und die Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen und der Dorfgemeinschaft.
4. Erkenntnisse & Wirkung
Das Projekt hat die Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit der Wasserversorgung im Dorf Khema deutlich verbessert und gleichzeitig den Einsatz erneuerbarer Energien in einer abgelegenen Bergregion gefördert. Die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern sowie die aktive Beteiligung der Dorfbewohner am Bau stärkten lokale Kompetenzen, unter anderem durch Schulungen zu nachhaltigen Bautechniken, Sanitärinstallationen und Wartung des Wassersystems. Erste Beobachtungen zeigen, dass das Solarhaus Wärme besser speichert als erwartet. Gleichzeitig bestehen noch einige Herausforderungen, etwa gefrorene Leitungen oder die zögerliche Nutzung des neuen Systems, da teilweise weiterhin dieselbetriebene Pumpen verwendet werden. Weitere Monitoring-Massnahmen und Follow-up-Besuche sollen helfen, diese Herausforderungen zu adressieren und die langfristige Nutzung sicherzustellen.







